Denkt man an Fortschritte, so fallen einem schnell die USA ein. Gerade Kalifornien, die Heimat von Google, Facebook und Apple steht heute für Produkte, die unseren Alltag stark verändern und voranbringen. Dabei geht mit dem Fokus auf Rocket-Science-Durchbrüche und technologische Errungenschaften schnell der Blick dafür verloren, dass auch mit einfachen Mitteln viel zur Verbesserung des Lebens erreicht werden kann. Einige bürokratische Schritte weniger bei der Steuererklärung oder Straßen ohne Schlaglöcher sind Beispiele dafür. Oder auch der 1-Dollar-Schein.

Was wären wir froh, gäbe es hier einen 1-Euro-Schein. Münzen bringen uns dazu, wo immer möglich mit Karte zu bezahlen. Wie viele Menschen gibt es, die wie wir ihr Kleingeld in einem Glas sammeln, statt das Portemonnaie zu überladen und sich fest vornehmen, es irgendwann einmal zur Bank zu bringen und dort einzuzahlen. Aber das Einzahlen von Münzen wird demnächst eine Gebühr kosten. Denn die EU zwingt die Banken dazu, jede einzelne Münze auf Echtheit zu überprüfen. Diese Kosten werden dann wir, die Bankkunden, bezahlen müssen.

Aber mal unter uns: Gibt es wirklich Fälscher, die so dumm sind, Münzen zu fälschen? Münzprägungen kosten eine Menge Geld, gerade die ganz kleinen Beträge sind oftmals weniger wert als das dafür verwendete Metall. Wahrscheinlich gibt es mittlerweile weniger Münzfälscher als Münzeinschmelzer.

Aber gehen wir mal einen Schritt zurück. Warum gibt es überhaupt Münzen? Historisch hat es sich entwickelt, mit Gold zu bezahlen. Um den Austausch einfacher zu machen, kamen Menschen auf die Idee, standardisierte Münzen mit einem Nennwert zu versehen. Wer eine solche Münze bekam, musste sie nicht mehr wiegen, sondern wusste genau, wie viel sie wert war. Zumindest theoretisch. Praktisch schliffen viele Verbrecher Münzen ab, um das Metall zu behalten und dennoch den Münzwert zu behalten.

Mittlerweile stellt der Aufdruck auf der Münze keineswegs mehr den Wert des in der Münze enthaltenen Metalls dar. Vielmehr vertrauen wir darauf, dass wir jede Münze, wie auch jeden Geldschein, als Geld verwenden können und alle anderen das auch akzeptieren. Mit einem 50-Euro-Schein kann ich mir also ein braunes Portemonnaie kaufen, wenn ich mag. Oder eine grüne Hose.

Geld hängt also eng mit Vertrauen zusammen. Niemand hat Angst, dass der 20-Euro-Schein nicht angenommen wird. Warum haben wir also noch Münzen, wenn ihre ursprüngliche Notwendigkeit, nämlich der Zusammenhang von Metallwert und Nennwert, einfach verschwunden ist?

Vielleicht kommt uns auch in Europa der Effizienz-Gedanke zu Hilfe. Schließlich kann man Ressourcen besser nutzen, als sie in die Produktion von Münzen zu stecken, die dann bei Menschen zu ausgebeulten Hosentaschen führen. Ein 1-Euro-Schein würde jedenfalls zu dünneren Portemonnaies führen. Und, wenn wir uns gleich noch etwas wünschen dürften: auch bei der Größe der einzelnen Scheine könnte man in die USA schauen. Dort wurden Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Größe der Scheine um gut ein Drittel reduziert, einfach, um Herstellungskosten zu sparen. Warum muss der europäische 50-Euro-Schein und 20-Euro-Schein so riesig sein? Eben! Lasst die wirtschaftliche Vernunft zu kleinen und dünnen Portemonnaies führen; reich können wir auch mit einem dünnen Portemonnaie sein. Und schön dazu.